Sichere und faire Arbeit Sichere und angemessene Arbeit für alle

Wir glauben, dass sichere und faire Arbeitsbedingungen für alle Arbeiter in der Textilindustrie die Norm sein sollten, nicht nur für diejenigen, die in den Fabriken unserer Lieferanten arbeiten. Deshalb nutzen wir unseren Einfluss und bauen Kompetenzen über unsere Lieferkette hinweg auf. So wollen wir erreichen, dass gute Arbeitspraktiken selbstverständlich werden, und eine Übereinstimmung mit den Zielen der anderen Marken und Multi-Stakeholder-Initiativen erzielen. Wir waren eines der ersten Bekleidungsunternehmen, das 1995 einen Code of Conduct für Lieferanten implementiert hat, und arbeiten seit vielen Jahren mit unseren Lieferanten zusammen, um Vertrauen aufzubauen. 

C&A folgt den UN Guiding Principles on Business and Human Rights. Wir sind uns unserer Rolle und Verantwortung als Unternehmen bewusst. Wir haben die OECD Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains in the garment and footwear sector implementiert, um Risiken in unserer Lieferkette angemessen identifizieren, priorisieren und managen zu können. Diese kontinuerliche Maßnahme steht im Einklang mit der Arbeit von C&A mit dem Bündnis für nachhaltige Textilien der Bundesregierung, der Dutch Covenant for Sustainable Apparel and Textile und dem branchenweiten ACT-Abkommen (Action, Collaboration, Transformation).

 

Wir haben die vier wesentlichen Herausforderungen, denen unsere Lieferanten begegnen, definiert und langfristige Strategien für jede Herausforderung entwickelt. Wir setzen uns dafür ein, Lösungen zu finden, um Praktiken wie übermäßige Überstunden und Löhne, verdeckte Unterauftragsvergabe, Gebäudesicherheit und Brandschutz, Einschränkungen der Vereinigungsfreiheit und Arbeitsrechte in unseren wichtigsten Beschaffungsländern zu beseitigen. Wir werden auch künftig unsere Zusammenarbeit mit anderen führenden Organisationen und der Zivilgesellschaft fortsetzen, um den Wandel in der gesamten Branche weiter voranzutreiben.

Lieferanten- und Arbeiterengagement

Die Schwächsten fördern

Unsere vier wichtigsten Arbeitsthemen

In den letzten Jahren haben wir vier wichtige Herausforderungen identifiziert, die die Arbeitsbedingungen in unserer Lieferkette signifikant beeinflussen. Diese Themen sind komplex und in der Regel in den verschiedenen Ländern, aus denen wir unsere Produkte beziehen, miteinander verbunden. Deshalb braucht es Zeit, gemeinschaftliches Handeln, Einfluss und Partnerschaften, um einen nachhaltigen Wandel zu erzielen. 

 

Im letzten Jahr haben wir uns darauf konzentriert, Kompetenzen hinsichtlich der Themen aufzubauen, bei denen unsere geschäftlichen Entscheidungen die größten Auswirkungen haben, und hinsichtlich der Bereiche, in denen wir eine Konvergenz mit anderen Industriepartnern identifiziert haben. Darüber hinaus haben wir unsere Einkaufspraktiken eingehend analysiert und herausgefunden, wo wir uns besser gegenüber unseren Lieferanten verhalten können. Die unten genannten wichtigsten Herausforderungen sind nicht nach Wichtigkeit geordnet.

Herausforderung 1 – Bezahlung und Arbeitszeiten

Arbeiten, um zu leben

Für Textilarbeiter in Märkten wie Bangladesch kann eine lange Arbeitswoche normal sein. Wir kennen die verschiedenen Faktoren, die dies bewirken können. Es ist unser Bestreben, die Praktiken zu ändern, sodass die Arbeiter fair für ihre Arbeit entlohnt werden und kein Arbeiter mehr als maximal 48 Stunden pro Woche plus maximal 12 Überstunden arbeiten muss. So schreibt unser Code of Conduct für Lieferanten vor, dass die Arbeitszeit in einem Zeitraum von sieben Tagen 48 Arbeitsstunden plus maximal 12 Überstunden, also insgesamt 60 Stunden, nicht überschreiten darf, außer in wirklichen Ausnahmefällen und unter unvorhersehbaren Umständen. Außerdem müssen die Arbeiter für ihre Arbeit fair entlohnt werden.

 

Durch unser Lieferantentraining und regelmäßige Überprüfungen wissen unsere Lieferanten, dass sie die nationalen Gesetze, die ILO Core Conventions, Tarifverträge und die Aspekte des ETI-Basiskodex, die die Höchstarbeitszeit, die Überstundenvergütung und die Ruhetage behandeln, erfüllen müssen. Sie wissen auch, dass sie die Arbeiter für Überstunden zeitnah vergüten müssen. Um einen sicheren und komfortablen Arbeitsplatz sicherzustellen, müssen die Arbeiter außerdem Pausen machen dürfen, mindestens einen freien Tag innerhalb eines Zeitraums von sieben Tagen haben und an gesetzlichen Feiertagen freinehmen dürfen. Um potenzielle Verstöße gegen diese Anforderungen aufzudecken und anzugehen, führen unsere Auditteams und Development Officers regelmäßig Prüfungen durch, überwachen sie und helfen, unbeabsichtigte Folgen abzumildern.

Erfahren Sie mehr über unsere Bewertung von Lieferanten

 

Herausforderungen

Durch unsere Erfahrungen wissen wir, dass unsere Einkaufs- und Beschaffungspraktiken die Produktionsplanung unserer Lieferanten beeinflussen und erhebliche Auswirkungen auf Löhne und Arbeitszeiten haben können. Änderungen in letzter Minute am Design, in der Produktion oder der Lieferfristen können dieses Problem ungewollt verschärfen. Abgesehen davon haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass einige Lieferanten die Produktion nicht adäquat planen, was unter anderem zu Herausforderungen bei der Personalbesetzung führt, um die Aufträge termingerecht auszuliefern. Darüber hinaus machen es weitere Faktoren schwierig, dieses Problem anzugehen. Dazu zählt etwa, wenn ein Arbeiter eine zusätzliche Vergütung benötigt, um seine Familie zu unterstützen, oder wenn die Betriebsleitung die tatsächlichen Arbeitszeiten falsch darstellt, um Auswirkungen auf ihr Geschäft zu vermeiden. Schließlich mangelt es ganz allgemein an lohntariflicher Durchsetzung durch die Kommunalverwaltungen, sodass die Marken die meisten Kontrollen durchführen müssen.

 

Seit vielen Jahren fordern wir von unseren Lieferanten und ihren Fabriken, dass sie die Arbeiter mit Vergütungen entlohnen, die dem gesetzlichen Minimum und/oder dem Industriestandard entsprechen oder diese übertreffen, je nachdem, was höher ist. Trotzdem finden wir immer noch Beispiele vor, in denen keine Überstundenzuschläge gezahlt werden. In einigen Fällen werden Arbeiter nach Produktivität (Anzahl der hergestellten Stücke) anstatt mit Stundenzuschlägen entlohnt.

 

Das ist unsere Antwort

Viele Arbeiter wollen oder müssen ihren Lohn maximieren. Deshalb können Reduzierungen von Arbeitszeiten ihnen nur helfen, wenn die Löhne steigen. Wir haben uns entsprechend auf den Weg gemacht, um die Hindernisse hinsichtlich dieser Spannungen zu identifizieren und zu überwinden. Wir nutzen dafür einen Multi-Stakeholder-Ansatz mit anderen Marken, der Initiative zum ACT-Abkommen (Action, Collaboration, Transformation), der C&A Foundation und unseren eigenen Pilotprojekten.
 

Genaue Verfolgung und angemessene Vergütung

Die Transparenz der Arbeitsabläufe ist von größter Bedeutung für uns, damit wir die Leistung in unserer gesamten Lieferkette überwachen können. In den letzten vier Jahren haben wir die Notwendigkeit von Transparenz bei unseren Lieferanten und ihren Produktionsstätten immer wieder betont. Zum Beispiel müssen die Lieferanten zuverlässige Zeiterfassungssysteme nutzen, mit denen alle regulären Stunden, Überstunden und Pausen exakt aufgezeichnet werden. Unsere Sustainable Supply Chain (SSC) Development Officers helfen der Betriebsleitung der Fabriken, diese Anforderungen zu verstehen, und arbeiten mit ihnen an der Genauigkeit ihrer Aufzeichnungen.


Angemessene Bezahlung und Training sicherstellen

Der Code of Conduct von C&A legt Folgendes fest: „Löhne und Gehälter (für die reguläre Arbeitszeit, d. h. ohne Überstunden) müssen regelmäßig und pünktlich gezahlt werden und ausreichend sein, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen und den Arbeitnehmern und ihren Familien ein gewisses frei verfügbares Einkommen zu bieten.“ Diese Definition ist im Einklang mit der der Clean Clothes Campaign und anderer Organisationen. Zudem ist C&A Gründungsmitglied der branchenweitern ACT-Initiative. C&A hat sein Engagement für existenzsichernde Löhne in unserer Lieferkette mit der 2015 mit IndustriALL unterzeichneten Absichtserklärung unterstrichen. Unter anderem haben wir uns im Rahmen des ACT-Abkommens verpflichtet, zur Etablierung branchenweiter, nationaler Tarifverträge in den Produktionsländern beizutragen, die noch über keine verfügen. Auf diese Weise können die Arbeitnehmervertreter mit den lokalen Herstellerverbänden verhandeln, um die benötigten Löhne zu sichern.

 

Wenn ein Akkordlohn verwendet wird, müssen die Lieferanten nachweisen, dass die Zahlungen mindestens dem Mindestlohn entsprechen oder dass Tarifverhandlungen vorhanden sind. Dies wird durch eine schriftliche Lohn- und Gehaltspolitik unterstützt, die den Arbeitern durch Mitarbeiterhandbücher, Aushänge, Briefe, regelmäßige Treffen oder auf andere Art und Weise vermittelt wird. Fabriken müssen außerdem Trainings mit allen Arbeitern und Subunternehmern durchführen. Diese Maßnahmen erhöhen die Transparenz, stärken die Arbeiter und helfen uns gleichzeitig, die Probleme einfacher zu erkennen. 2018 erfüllten 98 % unserer Produktionsstätten das auf nationaler Ebene geltende Lohnrecht. Sämtliche Lieferanten unserer Regionen Brasilien und China wurden nachweislich den jeweiligen Lohnanforderungen gerecht. Verstöße gegen diese wurden bei einem kleinen Prozentsatz der Lieferanten in unseren Regionen Europa und Mexiko aufgedeckt.

 

Erfahren Sie mehr über unser Supplier Ownership Programm

 

Unterstützende Einkaufspraktiken

Es ist unser Bestreben, einen effizienten und ethisch korrekten Einkaufsprozess voranzutreiben und dabei das herausfordernde Umfeld zu berücksichtigen, in dem sich unsere Lieferanten bewegen. Wir haben die Art und Weise unserer Beschaffung mithilfe des Selbstbewertungs-Tools von ACT einer gründlichen internen Analyse unterzogen. C&A nahm aktiv an der Entwicklung dieses Tools teil und analysierte sorgsam alle Schritte seines Einkaufsprozesses: von der Planung und Produktentwicklung bis hin zur Produktion und Auslieferung. Wir haben acht wesentliche Bereiche für Verbesserungen innerhalb unserer Einkaufspraktiken identifiziert. Diese Verbesserungsbereiche wurden in Form des ACT-Abkommens über Einkaufspraktiken, an das wir uns halten, gemeinsam beschlossen.

 

Gemeinsam mit unserem Senior Management der Beschaffungs- und Einkaufsabteilung arbeitet C&A an der Umsetzung eines ganzheitlichen internen Aktionsplans. Dieser konzentriert sich auf die Verbesserung der Kommunikation mit den Lieferanten, um weiteres Vertrauen aufzubauen, sowie auf die Schulung der eigenen Mitarbeiter zu verantwortungsvollen Einkaufspraktiken und vielen anderen Arbeitsbereichen. Gemeinsam mit weiteren am ACT-Abkommen beteiligten Marken, Lieferanten und Gewerkschaften haben wir es uns zum Ziel gesetzt, einen Überwachungsprozess zu entwickeln, mit dem wir die Verbesserungen unserer Einkaufspraktiken messen und über den Fortschritt berichten können.

 

Die Verbesserung unserer Einkaufspraktiken ist kein Projekt mit einem Anfang und Ende. Wir sind überzeugt, dass es sich um eine kontinuierliche Reise handelt – eine Reise, auf die wir uns erst vor Kurzem begeben haben. Wenn wir einen langfristigen Einfluss auf unsere Lieferanten und deren Arbeitnehmer haben wollen, muss sich die gesamte Branche gemeinsam auf die Reise machen. Aus diesem Grund geben wir unser Wissen und unsere Erfahrung im Bereich der verantwortungsvollen Beschaffung an Branchenkollegen und Initiativen weiter, wie an den Dutch Covenant und das Bündnis für nachhaltige Textilien.

Fallbeispiel:

Auf dem Weg zu existenzsichernden Löhnen für Arbeiter

Die Sicherstellung existenzsichernder Löhne ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der nur dauerhaft nachhaltig ist, wenn er im Rahmen eines Verfahrens implementiert wird, das sowohl Vertreter der Arbeiter als auch der Unternehmer einbindet. Wir wollen eine vollständige Vereinigungsfreiheit sicherstellen, damit Lieferanten und Arbeitnehmer in unserer Lieferkette über die Kompetenz und die Befugnis verfügen, um Tarifverträge auszuhandeln, zu unterzeichnen und umzusetzen. Wenn die Arbeitnehmerrechte in vollem Umfang eingehalten werden, fühlen sich die Arbeiter in der Lage, einen existenzsichernden Lohn auszuhandeln und allmähliche Lohnerhöhung im Laufe der Zeit einzufordern.

 

ACT (Action, Collaboration, Transformation) umfasst 21 internationale Marken sowie die IndustriALL Global Union. Die Mitglieder verbindet ein gemeinsames Ziel: Die Gewährleistung existenzsichernder Löhne für Textilarbeiter durch die Förderung branchenweiter Tarifverträge in den wichtigsten Beschaffungsmärkten. C&A ist Gründungsmitglied von ACT und damit von Beginn an dabei.

 

Die ACT-Mitglieder haben erkannt, dass eine nachhaltige Lösung nicht ohne eine enge Zusammenarbeit mit Herstellern, Mitarbeiterorganisationen, Gewerkschaften und Regierungen in den produzierenden Ländern möglich ist. In einer globalisierten Wirtschaft können nationale Lösungen nicht von der Rolle der internationalen Lieferketten abgetrennt werden. Gemeinsam fokussieren wir uns auf drei Elemente, die einen positiven Effekt auf die Ergebnisse auf Fabrikebene haben können:

  • Programme für branchenweite Tarifverhandlungen aufstellen, die zu einer besseren Beteiligung der Arbeiter und einer besseren Mitsprache hinsichtlich Praktiken und Bedingungen führen können.
  • Verantwortungsvolle Einkaufspraktiken für die Bekleidungs- und Textilindustrie entwickeln – diese können zu einer besseren Planung und Antizipation der Probleme beitragen, die in ausufernden Arbeitszeiten und unbezahlten Löhnen münden können.
  • Aktiv die Regierungen der Länder in die Gespräche einbeziehen – um die Lobbyarbeit und nationale Lohnüberprüfungsprozesse zu unterstützen.

Unser Ansatz

Die Durchführung von Tarifverhandlungen auf Branchenebene bedeutet, dass die Arbeitnehmer innerhalb eines Landes ihre Löhne unter den gleichen Bedingungen aushandeln können – und das unabhängig von der Fabrik, in der sie arbeiten, oder von den Einzelhändlern und Marken, für die sie Produkte herstellen. Der ACT-Ansatz verbindet Tarifverhandlungen mit den Einkaufspraktiken der Marken und nutzt diesen als Mechanismus, der nationalen Verhandlungspartnern den erforderlichen wirtschaftlichen Spielraum bietet, um sich auf kontinuierliche und substanzielle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und Löhne zu einigen. So fördert C&A aktiv das fundamentale Recht der Arbeitnehmer, gemeinsam mittels ihrer demokratisch gewählten Gewerkschaften Verhandlungen zu führen.

 

Wir glauben, dass Tarifverhandlungen der einzige praktikable Ansatz sind, um nachhaltig existenzsichernde Löhne in der Bekleidungsindustrie zu erreichen. Tarifverhandlungen auf nationaler Ebene schaffen gleiche Ausgangsbedingungen für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer, um sich auf höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu einigen, anstatt in diesen Fragen miteinander im Wettbewerb zu stehen.

 

Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass die Einkaufspraktiken und Kapazitätsplanung der Marken für die Lieferanten ein entscheidender Faktor für die Planung der Produktionszyklen, die Vermeidung ausufernder Arbeitszeiten und die Sicherstellung einer pünktlichen und angemessenen Bezahlung der Arbeiter sind. Da die asiatischen Länder weder langjährige noch tiefgehende Erfahrung mit Tarifverhandlungen haben, erkennen wir an, dass im Zuge des Wechsels hin zu existenzsichernden Löhnen, die in Tarifverhandlungen festgelegt werden, für einen gewissen Zeitraum das Risiko eines internationalen Wettbewerbsnachteils besteht. Um dieser Herausforderung zu begegnen, verfolgen wir diesen Ansatz in den wichtigen Beschaffungsländern gleichzeitig. In der Zwischenzeit werden C&A und andere ACT-Marken die ersten Länder, die einen Tarifvertrag auf Branchenebene unterzeichnen, mit speziellen Maßnahmen und Zusicherungen unterstützen. Damit führen höhere Löhne nicht zu internationalen Wettbewerbsnachteilen. Wir verfügen über eine globale Lieferkette und sind überzeugt, dass ein globaler Ansatz erforderlich ist, um die gesamte Branche gemeinsam mit unseren Partnern zu revolutionieren.

 

Arbeit auf Länderebene

C&A ist neben anderen ACT-Marken in Kambodscha, Myanmar, Bangladesch und der Türkei aktiv. Diese Länder wurden aufgrund ihrer umfangreichen Bekleidungsproduktion, der enormen Präsenz von ACT-Mitgliedsmarken und der Möglichkeiten für Gewerkschaften, Tarifverhandlungen auf Branchenebene aufzunehmen, ausgewählt. Diese Länder machen insgesamt 51,3 % unseres Beschaffungsvolumens aus. Die erfolgreiche Umsetzung unserer Maßnahmen in diesen Ländern – sowie in anderen, in denen bereits Tarifverhandlungen im Gange sind – wird dazu führen, dass die große Mehrheit unserer Lieferantenbasis von Tarifverträgen abgedeckt ist.

 

Unsere Fortschritte 2017 waren entscheidend für die Vorarbeiten, die wir in drei der Pilotländer eingeleitet haben, um einen branchenweiten Tarifverhandlungsmechanismus zu etablieren. 2018 waren wir wichtige Teilnehmer an den beiden Ländermissionen von ACT in Kambodscha und der Türkei. Hier haben wir gemeinsam mit anderen Marken und IndustriALL wichtige lokale Stakeholder (lokale Gewerkschaften, Fabrikbesitzer und kambodschanische Ministerien) getroffen. Wir wollen einen positiven Wandel in der Entwicklung eines langfristigen Tarifverhandlungsprozesses im Land vorantreiben.

 

Im März 2018 war C&A Gastgeber der ACT Länderberatung in unserem Büro in Yangon, Myanmar. Unsere ersten Treffen und der vorgeschlagene Ansatz von ACT zum Lohnfestlegungsmechanismus wurden positiv von den Ministerien, Gewerkschaften und Lieferanten aufgenommen. Wir wollten das Momentum nicht verlieren. Deshalb kehrten wir im weiteren Jahresverlauf 2018 nach Myanmar zurück, um unser Engagement fortzuführen und weiter in Richtung existenzsichernder Löhne für die Textilbranche zu arbeiten. Im Verlauf des Jahres haben wir uns mit Gewerkschaften und Lieferanten sowie der Regierung von Myanmar getroffen, um die Themen Arbeitsbedingungen und Löhne anzugehen. Zusammen mit weiteren ACT-Marken haben wir uns darüber hinaus im Rahmen der International Labour Conference in Genf mit der trilateralen Delegation Myanmars getroffen (Arbeitsministerium, Gewerkschaften und Lieferantenverband), um über Arbeits- und Menschenrechte, Löhne und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Landes zu sprechen.

 

In diesem Bereich gibt es noch immer viel zu tun. Wir setzen uns dafür ein, alle relevanten Stakeholder einzubeziehen und gleichzeitig die Kaufkraft auf das erforderliche Niveau zu steigern. Hierzu laden wir Nicht-ACT-Marken ein, sich unserem gemeinschaftlichen Ansatz anzuschließen, um so schließlich unser ultimatives Ziel existenzsichernder Löhne für die Arbeiter in der Bekleidungsindustrie zu erreichen.

Herausforderung 2: Gebäudesicherheit und Brandschutz

Kompetenzen für Brandschutz, Gebäude- und elektrische Sicherheit aufbauen

Es ist ein fundamentales Recht aller Arbeiter, sichere und gesunde Arbeitsplätze zu haben. Fehlende Brandschutzvorkehrungen in der Bekleidungsproduktion haben jedoch Tausende von Menschen in Bangladesch das Leben gekostet.

 

Unser Code of Conduct für Lieferanten beinhaltet strenge Anforderungen an den Bau von Gebäuden, den Brandschutz und die Notfallvorsorge. Aus der Zusammenarbeit mit dem Bangladesh Accord on Fire & Building Safety haben wir viel gelernt und eine führende Rolle im Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch eingenommen. Wir haben strenge Anforderungen an alle unsere Fabriken und in allen Beschaffungsländern weltweit. Bei Bedarf stellen wir zusätzliche Ressourcen und Schulungen zur Verfügung, um die Sicherheit zu verbessern. 2018 wurden in Brasilien 27 Lieferanten im Bundesstaat Santa Catarina zu den Anforderungen und Best Practices in Sachen Arbeitsschutz, Brandschutz, Vergütung, Governance und anderen Themen geschult.

 

Herausforderungen

Signifikante Lücken in Ausbildung und Fachwissen

Brandschutz und Gebäudesicherheit sind komplexe Themen, mit ingenieurtechnischen und technischen Aspekten, die oft über das interne Wissen einer Bekleidungsfabrik hinausgehen. Um diese Themen auf Betriebsebene beurteilen zu können, ist/sind eine Ausbildung und/oder ein Ingenieursstudium erforderlich. In vielen der Beschaffungsländer fehlt ein kompetenter Talent-Pool, um die Identifikation und Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen zu unterstützen, weshalb kostspielige Beraterleistungen erforderlich sind. 

 

Darüber hinaus erfordern Brandschutz und Gebäudesicherheit solide Prozesse von der lokalen Regierung, die die Einhaltung der nationalen Gebäude-, Feuer- und Elektrogesetzgebung sicherstellen muss. Um viele unserer Lieferanten auf den neuesten Stand zu bringen, bedurfte es einer Partnerschaft, die zu bedeutenden Maßnahmen auf Fabrikebene führte. Dazu zählten etwa die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter sowie die Umrüstung von Produktionsstätten mit feuerfesten Vorrichtungen. Oftmals sind diese Aufrüstungen kostspielig oder sie erfordern viel Zeit und Ressourcen.

 

Das ist unsere Antwort

Unsere Lieferanten unterstützen

Einen hohen Standard im Brandschutz selbstverständlich zu machen erfordert beträchtliche Anstrengungen sowohl von uns als auch von unseren Lieferanten. Wir arbeiten eng mit ihnen zusammen, um die Auswirkungen neuer Anforderungen zu verstehen und sie bei der Umsetzung von Verbesserungen zu unterstützen. Mit unserem Input können Fabriken auf die notwendigen Fähigkeiten und Werkzeuge zugreifen, um Brandschutz-, Gebäude- und elektrische Sicherheitsprogramme zu implementieren. Wir bewerten auch ihre Fähigkeit, die Veränderungen kapital- oder ressourcenorientiert umzusetzen.


Auditierung

Unser Code of Conduct für Lieferanten wurde 2015 aktualisiert, um zusätzliche weitreichende Anforderungen für den Brandschutz und die Gebäudesicherheit über unsere ganze Lieferkette aufzunehmen. 2017 und Anfang 2018 haben wir mit einer Beratungsgesellschaft zusammengearbeitet, um unsere Brandschutz- und Gebäudesicherheitsanforderungen noch einmal zu überprüfen mit dem Ziel, die Compliance mit der lokalen Gesetzgebung und Industriestandards sicherzustellen. Wir inspizieren alle unsere Fabriken und fordern sie auf, für jedes ihrer Gebäude, einschließlich Unterkünfte für Mitarbeiter, Kantinen und Lagerhäuser, eine rechtliche Dokumentation vorzuhalten. Die rechtliche Dokumentation wird überprüft und die Gebäude werden regelmäßigen Sicherheitsinspektionen unterzogen, um sicherzustellen, dass die Verbesserungen gemäß der lokalen Gesetzgebung umgesetzt werden. Da dies eine dauerhafte Aufgabe ist, werden wir auch künftig kontinuierlich Prozesse und Anforderungen anpassen, um sicherzustellen, dass alle Produktionsstätten dauerhaft als sichere Arbeitsplätze fungieren.


Rechtliche Dokumentation

C&A-Lieferanten sind verpflichtet, adäquate Versicherungen abzuschließen, die die Arbeiter gegen Verletzungen, Unfälle oder Tod absichern. Dies gilt für alle Arbeiten auf dem Gelände und sollte, soweit gesetzlich vorgeschrieben, auch Vertragspartner sowie Zeit- und Teilzeitarbeitskräfte einschließen.

Fallbeispiel:

Gebäudesicherheit und Brandschutz in Bangladesch verbessern

Sechs Jahre sind seit dem Rana Plaza Zusammenbruch in Bangladesch vergangen, bei dem mehr als 1.100 Bekleidungsarbeiter ums Leben kamen.

 

C&A war eine von 220 Marken, internationalen Verbänden und Mitgliedern der Zivilgesellschaft, die den Accord on Fire and Building Safety in Bangladesch als Reaktion auf das Unglück unterzeichnet hat. Der Accord ist eine unabhängige, rechtsverbindliche Vereinbarung, die entwickelt wurde, um eine sichere und gesunde Bekleidungsindustrie in Bangladesch zu etablieren. Sie zielt darauf ab, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem kein Arbeiter Brände, Gebäudezusammenbrüche oder andere Unfälle befürchten muss, die durch Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden könnten. Außerdem soll das Recht, unsichere Arbeit zu verweigern, gewährleistet sein.

 

Fast 35 % der Lieferanten von C&A sind in Bangladesch ansässig. Alle zuliefernden Schnitt- und Nähfabriken von C&A in Bangladesch wurden inspiziert und Corrective Action Plans (CAPs) für jeden von ihnen entwickelt. Um die komplexen und hochtechnischen Aspekte der Korrektur- und Sanierungsmaßnahmen zu unterstützen, haben wir in Bangladesch ein starkes Technikexperten-Team aufgebaut. Wir haben außerdem Schulungsmaßnahmen für die Accord-Ingenieure durchgeführt, damit diese ihr Wissen mit den Lieferanten teilen.

 

Bis heute wurden 96 % der identifizierten Probleme bei Lieferanten von C&A behoben. 2017 waren es noch 92 %. Die verbleibenden CAPs werden derzeit behoben1. Der Hauptgrund für die noch anhaltenden Arbeiten ist, dass wir 2017 mehrere neue Produktionsstätten in unsere Lieferantenliste aufgenommen haben. Ihre Sanierungspläne befinden sich noch in einem früheren Stadium als die der übrigen Lieferanten.

Offizielle Daten vom Accord können von unseren abweichen, da wir unsere Lieferanten vor dem Accord überprüfen und die Zahlen veröffentlichen. Der Accord aktualisiert seine Zahlen erst nach eigener Überprüfung.

Erfahren Sie mehr auf der Accord Website

Accord 2.0

Der Bangladesh Accord ist nun seit fast sechs Jahren etabliert. C&A – von Beginn an Teil des Lenkungsausschusses – ist als eine der Marken anerkannt, die sich engagiert für den Erfolg dieser Initiative eingesetzt hat. Wir waren eine von sechs Organisationen, die ausgewählt wurden, um 2017 zu definieren, wie die Vereinbarung nach ihrem fünfjährigen Bestehen ausgeweitet werden sollte.

 

Gemeinsam kamen wir darin überein, dass der Accord große Fortschritte hinsichtlich der Sensibilisierung auf wichtige Sicherheitsmaßnahmen, das Stärken und Einbeziehen der Arbeiter sowie eines echten Wandels im Bereich Brandschutz und Gebäudesicherheit in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch bewirkt hat. Nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen den Vertretern der Marken, IndustriALL Global Union und lokalen Stakeholdern wurde entschieden, dass der Accord mit einigen wichtigen Zusätzen um drei weitere Jahre bis Mai 2021 verlängert wird:

  • Stärkung des Engagements der Marken für die Vereinigungsfreiheit auf Basis der ILO Core Conventions
  • Vergrößerung des Scope, einschließlich der Tier-2-Produktionsstätten (wie Druckereien und Wäschereien) zusätzlich zu den Schnitt- und Nähfabriken
  • Eine klare Beschreibung, wann und wie die Arbeit des Accord auf die Regierung von Bangladesch übertragen wird

 

Der überarbeitete Accord wurde beim OECD Global Forum on Responsible Business im Juni 2017 unterzeichnet; C&A fungierte dabei als Vertreter der Marken-Community. Der neue Accord ist noch wichtiger für uns, da so die unabhängigen, fachkundigen Sicherheitsinspektionen der Gebäude um weitere drei Jahre verlängert werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Verbesserungen, die unter dem ersten Accord erzielt wurden, beibehalten und dass alle neuen Erkenntnisse in jeder Fabrik berücksichtigt werden.

 

Trotz des motivierenden Fortschritts 2017 sind wir im Hinblick auf die Unsicherheit über das künftige Fortbestehen des Accord besorgt. In den letzten Monaten von 2018 und Anfang 2019 wurde der Handlungsspielraum des Accord aufgrund von einigen noch offenen Gerichtsurteilen in Bangladesch eingeschränkt. Wir engagieren uns sehr für die gute Arbeit im Rahmen dieser Vereinbarung. Als Gründungsmitglied und Unternehmen, das sich zur Gebäudesicherheit verpflichtet hat, sind wir der Ansicht, dass der Accord der beste Weg ist, um die Herausforderungen in Sachen Brandschutz in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch anzugehen. Sollten die Gerichte in Bangladesch entscheiden, dass es dem Accord nicht länger gestattet ist, seine Arbeit im Land fortzusetzen, wird sich C&A weiterhin für die Gewährleistung sicherer Arbeitsbedingungen in Bangladesch einsetzen.

 

Erfahren Sie mehr über den Bangladesch Accord 2.0
 

Zusätzliche Hilfe für die Opfer des Brands in der Tazreen-Fabrik

Wir sind nach wie vor zutiefst bestürzt über die Todesopfer und die Verletzungen durch den tragischen Brand im November 2012 in der Tazreen-Fabrik in Bangladesch – eine Fabrik, die C&A Brasilien beliefert hat. In der Folgezeit stellte die C&A Foundation den Familien der 112 getöteten Personen unmittelbar finanzielle Hilfe zur Verfügung und gründete einen Fonds, um die 49 erwachsenen Angehörigen fortlaufend weiter zu unterstützen.

 

In Zusammenarbeit mit der Caritas Bangladesch hat die C&A Foundation außerdem ein Rehabilitationsprogramm ins Leben gerufen, um den Überlebenden zu helfen, einen neuen Weg für sich zu finden. Die C&A Foundation wirkt weiterhin am Trust for Injured workers' Medical Care (TIWMC) mit, der 172 Arbeiter, die bei dem Brand in der Tazreen-Fabrik verletzt wurden, unterstützt. Außerdem unterstützte sie 2017 auch zwei medizinische Einrichtungen. Diese 172 Arbeiter erhalten durch einen Zuschuss der C&A Foundation in den nächsten 14 Jahren medizinische Versorgung sowie psychologische Unterstützung.

 

Die C&A Foundation unterstützte 2015 außerdem den Tazreen Claims Administration Trust (TCA) zusammen mit der Clean Clothes Campaign und IndustriALL Global Union, um den Überlebenden und den Familien der Opfer dabei zu helfen, eine angemessene Entschädigung zu erhalten. Der TCA beendete seine Arbeit 2016 mit dem Abschluss der Entschädigungszahlungen an die Opfer des Brands. Insgesamt wurden rund 2,17 Millionen US-Dollar an alle betroffenen Familien und die durch den Brand verletzten Arbeiter ausgezahlt.

Herausforderung 3: Vereinigungsfreiheit

Arbeitnehmerorganisationen und Tarifverhandlungen ermöglichen

Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen sind essenziell, um die Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette der Modebranche und in unseren Beschaffungsländern zu verbessern. Die Vereinigungsfreiheit bleibt ein wichtiger Schwerpunkt unserer Strategie, um die Stimmen der Arbeiter zu stärken, einen Dialog mit dem Management zu fördern und die gesamte Performance der Fabriken unserer Zulieferer zu verbessern.

 

Herausforderungen

Rechtliche Restriktionen überwinden

Einige Länder schränken Tarifverhandlungen per Gesetz ein. In diesen Fällen erwarten wir von unseren Lieferanten, dass sie den Arbeitern helfen, alternative Formen der Arbeitnehmervertretung und -verhandlung zu etablieren. Wir erwarten von unseren Lieferanten außerdem, dass sie einen Beschwerdemechanismus einrichten, implementieren und kommunizieren, der zugänglich, berechenbar, gerecht, transparent, rechtskompatibel und vertraulich ist sowie auf Engagement und Dialog basiert, um interne Streitigkeiten und Mitarbeiterbeschwerden zu lösen. Die Vereinigungsfreiheit wird im Rahmen unserer Audit-Prozesse überprüft. Verletzungen werden als schwerwiegender Verstoß gegen unseren Code of Conduct für Lieferanten angesehen. Dies ist außerdem ein wesentlicher Teil unserer Fairness Channel und WeChat (nur in China) Compliance-Hotlines, die wir mit Unterstützung der Ethicspoint incident Management Software implementiert haben.


Vorfälle

2018 deckten wir acht Fälle auf, in denen die Vereinigungsfreiheit in unserer Lieferkette nicht respektiert wurde. Vier davon traten in der Türkei auf, zwei in Indien und jeweils einer in Myanmar und Kambodscha. Um diese Vorfälle zu beheben, haben unsere lokalen Sourcing und Sustainable Supply Chain (SSC)-Teams, mit Unterstützung des Global Sustainability Teams und der Sourcing Teams, eng mit unseren Lieferanten, den Arbeitnehmervertretungen und internationalen Gewerkschaften zusammengearbeitet, um jedes der Probleme individuell anzugehen. Anfang 2019 sind vier dieser Fälle noch offen und wir arbeiten daran, diese in den kommenden Wochen abschließen zu können.


Das ist unsere Antwort

Faire Lösung

Wenn Probleme hinsichtlich der Vereinigungsfreiheit durch Audits, Gewerkschaftsvorwürfe, Streiks oder über unsere Fairness Channel Compliance-Hotlines aufgedeckt werden, handeln wir entschlossen und arbeiten mit den entscheidenden Gruppen zusammen, um das Problem zu lösen, eine faire Behandlung der Arbeiter zu gewährleisten und die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, damit eine Wiederholung in der Zukunft vermieden wird. Falls erforderlich unterstützen wir die Wiedereinstellung von zu Unrecht entlassenen Arbeitern und fordern eine Entschädigung oder Unterstützung.

Erfahren Sie mehr über unsere Werte und Fairness Channels

 

Fallbeispiel:

Kinderarbeit in den Lieferketten für bestickte Bekleidung bekämpfen

2018 haben die C&A Foundation und C&A ihren Weg zur Beseitigung der Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten in der Lieferkette für bestickte Kleidungsstücke fortgesetzt. Handbestickte Teile sind einer der wesentlichen Beiträge Indiens zum globalen Bekleidungsmarkt. Die Beschäftigten arbeiten oft von zu Hause, sodass ihre Arbeitsbedingungen schwerer zu überprüfen sind. Heimarbeit ist in unserer Lieferkette nur zulässig, wenn die Lieferanten den C&A Guidelines for the Use of Home Workers folgen, die an die Ethical Trading Initiative (ETI) Guidelines angelehnt sind.

 

Die Nichtregierungsorganisation GoodWeave wünscht sich eine Welt, in der alle Kinder zur Schule geschickt werden und nicht zur Arbeit und in der Erwachsene Rechte, Respekt und Chancen an ihrem Arbeitsplatz erhalten. Und es wirkt: Die Kinderarbeit in der Teppichindustrie in Südasien ist seit Aufnahme der Arbeit in der Region um 80 % zurückgegangen. Die Wirksamkeit dieser Arbeit basiert auf der erfolgreichen Einführung eines Rückverfolgbarkeitssystems, der Überwachung von Standards und der Verbesserung der sozialen Infrastruktur in Heimarbeitsgemeinschaften.

 

2016 haben wir ein zweijähriges Pilotprojekt bei GoodWeave in Uttar Pradesh, Indien, in Auftrag gegeben. Das Ziel ist es, einen Ansatz für die Modeindustrie zu finden, der ebenso erfolgreich ist wie in der Teppichindustrie. Er soll außerdem die Förderung der Ausbildung derjenigen umfassen, die zu jung zum Arbeiten sind, und sicherstellen, dass Erwachsene unter sicheren und fairen Bedingungen arbeiten.

 

Das Pilotprojekt findet bei drei Bekleidungsherstellern in fünf Gemeinden statt und unterstützt 7.500 Heimarbeiter und 6.000 Kinder innerhalb der Lieferkette von C&A und darüber hinaus. Child Friendly Community (CFC) Programme, die sicherstellen, dass Kinder in der Schule angemeldet sind, werden nun in drei Projektgemeinschaften in Indien etabliert: Kanwara, Tilbegumpur und Jaee. Wo dies nicht möglich ist, werden Kinder in informellen Überbrückungsschulen untergebracht, die als Motivations- und Lernzentren (MLCs) bekannt sind. Dies soll ihnen helfen, den Standard zu erreichen, denn sie benötigen, um sich an privaten oder staatlichen Schulen einschreiben zu können. Im Januar 2017 besuchten 750 Kinder Motivations- und Lernzentren und 243 Kinder waren in der Schule angemeldet. 

 

Das Pilotprojekt gibt bereits Aufschluss über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Heimarbeitern, dennoch bleibt die Sicherstellung des Zugangs zu unseren gesamten Lieferketten eine zentrale Herausforderung. Die Lieferanten sind engagierter und das Mapping ist erfolgreicher, wenn mehrere Marken gemeinsam auf Partizipation und Transparenz drängen – eine ähnliche Erkenntnis wie bei GoodWeave in der Teppichindustrie. GoodWeave hat weitere Bekleidungshersteller und NGOs eingeladen, sich zu engagieren, und ist diesbezüglich aktuell mit zahlreichen weiteren Marken im Gespräch.

Sich für die Arbeitnehmervertretung einsetzen

Unser Code of Conduct für Lieferanten verlangt von unseren Lieferanten, dass sie eine offene und kooperative Haltung gegenüber Arbeitnehmervertretungen einnehmen und dass sie Arbeitern erlauben, Gewerkschaften ihrer Wahl beizutreten oder diese zu gründen und gemeinschaftlich zu verhandeln.

 

Darüber hinaus nehmen wir an der ACT-Initiative teil, die eine wichtige Rolle in der Sicherstellung existenzsichernder Löhne in den Beschaffungsländern spielt, indem sie branchenweite Tarifverhandlungsprozesse auf nationaler Ebene aufsetzt, die Vereinigungsfreiheit als wesentlichen Baustein enthalten.

Erfahren Sie mehr über unseren Einsatz für die ACT-Initiative
 

Arbeiter stärken

Wenn Arbeiter und Management gut miteinander kommunizieren, sind sie eher bereit, gemeinsam ein gesundes Arbeitsumfeld zu fördern. Arbeiter müssen ihre Rechte und Pflichten kennen und Kanäle haben, über die sie Bedenken äußern können. C&A hilft seinen Lieferanten dabei, den Arbeitern sichere und effektive Wege zur Verfügung zu stellen, über die sie Bedenken und Beschwerden äußern können. In den letzten zehn Jahren haben uns unsere Compliance-Hotlines dabei geholfen, Probleme zu identifizieren, die in unseren Büros, Filialen oder in der Lieferkette aufgetreten sind. Durch die Art und Weise, wie wir mit unseren Mitarbeitern, Lieferanten und deren Arbeitern umgehen, wollen wir Fairness und Transparenz fördern. 


Erfahren Sie mehr über unsere Stärkung der Arbeiter 

Erfahren Sie mehr über unsere Werte
 

Vereinigungsfreiheit fördern

Die Bekleidungsindustrie in Kambodscha war in den letzten Jahren von Unruhen geprägt. Die Demonstranten sind auf die Straßen gegangen und mit den Sicherheitskräften zusammengestoßen und Gewerkschaftsführer wurden entlassen, weil sie geplant hatten, Streiks zu organisieren. Die Gewerkschaften haben wiederholt die Unterdrückung der Arbeitnehmerrechte durch die Unternehmensleitung und gewerkschaftsfeindliche Maßnahmen beklagt. Die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten zur Sicherstellung von Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen hat für uns höchste Priorität.

 

Durch die Ethical Trade Initiative (ETI) bündeln wir gemeinsam mit anderen Marken unsere Stimmen gegenüber der Regierung. Wir waren uns einig, dass Stabilität, Berechenbarkeit und Rechtsstaatlichkeit für das weitere Wachstum des Bekleidungssektors in der Region unabdingbar sind. Insbesondere wollen wir erreichen, dass die kambodschanischen Gesetze die ILO Core Conventions erfüllen.

 

2018 setzte C&A darüber hinaus sein Engagement mit der Regierung von Kambodscha, Lieferanten und wichtigen Stakeholdern fort, um unsere Bedenken hinsichtlich der Arbeits- und Menschenrechte zu teilen. Bisher haben wir an drei Diskussionsrunden mit Gewerkschaften, Lieferanten und der Regierung in Kambodscha teilgenommen. 2018 organisierte C&A zwei „Runde Tische“ mit den Lieferanten in Kambodscha, um über Vereinigungsfreiheit, Tarifverhandlungen und Löhne zu diskutieren. Zusammen mit unseren vorausgegangenen „Runden Tischen“ haben wir so nun insgesamt acht solcher Diskussionen zum Thema Vereinigungsfreiheit durchgeführt und dabei den Schwerpunkt auf gesunde Arbeiter-/Managementverbindungen gelegt. Vertreter des oberen Managements von all unseren kambodschanischen Lieferanten nahmen daran teil.

 

Anlässlich dieser Diskussionsrunden haben wir die Ziele von C&A betont und herausgestellt, dass wir nur mit Produktionsstätten zusammenarbeiten, die unseren Code of Conduct für Lieferanten vollständig erfüllen. Wir ermutigen die Lieferanten, eine offene Kommunikation zu ermöglichen, um Streitigkeiten auf gütlichem Wege zu lösen, und unterstützen sie gerne mit technischem Know-how, wenn sie Schwierigkeiten bei der Problembewältigung haben.

 

Aufgrund der großen Ernsthaftigkeit dieser Diskussionen haben sich in der Region bereits erste Änderungen vollzogen, darunter Folgendes:

  • Verbesserte Kenntnis der lokalen Gesetzgebung durch die Lieferanten 
  • Besseres Verständnis der Rolle von Gewerkschaften
  • Verbesserte Mittel zur Lösung von Konflikten zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern

 

Fallbeispiel:

Die Lösung eines Problems in Sachen Vereinigungsfreiheit führt zu einem Tarifvertrag

In der Türkei wurden unser SSC-Team sowie Vertreter von zwei weiteren Bekleidungsmarken im Frühjahr 2017 über Bedenken in Bezug auf Akar Tekstil in Kenntnis gesetzt. Zu den Vorwürfen zählte unter anderem die Entlassung von gewerkschaftlich organisierten Arbeitern aus der Fabrik basierend auf unwahren Gründen sowie die Diskriminierung gewerkschaftlich organisierter Arbeiter, indem ihre Arbeitsplätze gewechselt und sie von den anderen getrennt wurden.

 

In Zusammenarbeit mit weiteren Marken führten wir sechs Monate lang einen offenen Dialog zwischen Fabrik und Gewerkschaftsleitung. Allerdings hat sich die Situation nicht verbessert. So beschlossen C&A und die anderen Marken, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen, die Verstöße gegen das Recht auf Vereinigungsfreiheit zutage führte.

Im Rahmen eines Meetings mit der Gewerkschafts- und Fabrikleitung schlugen die Marken die erwarteten Aktionspläne vor, die vom Lieferanten umzusetzen waren. Dies beinhaltete auch eine öffentliche Ansprache zum Thema Vereinigungsfreiheit durch den Eigentümer innerhalb der Fabrik, die Verhinderung weiterer Diskriminierung und die Aufrechterhaltung eines Dialogs mit der Gewerkschaft. Anfang 2018 wurde ein Protokoll unterzeichnet, in dem eine fabrikweite Gewerkschaftsbeteiligung von 30 % als Schwelle für die Aufnahme von Gesprächen über einen Tarifvertrag festgehalten wurde, die alle Arbeiter umfassen soll. Darüber hinaus wurde ein Ausschuss mit Vertretern der Fabrik, der Gewerkschaft und IndustriALL gebildet, um Fragen zu den gewerkschaftlichen Schritten zu klären. Im Juli 2018 unterzeichnete die Fabrik einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Deriteks. Darüber hinaus wurde entschieden, dass die Arbeiter ihre Gewerkschaftsvertreter bestimmen und nicht die Gewerkschaft diese Entscheidungen trifft und dass für die Arbeitnehmervertreter entsprechende Schulungen durchgeführt werden.

Herausforderung 4: Verdeckte Produktion

Verdeckte Produktion verhindern

Als verdeckte Produktion bezeichnen wir, wenn eine Produktionsstätte identifiziert wird, die noch nicht für die Produktion freigegeben wurde. Obwohl dies nicht oft der Fall ist, handelt es sich hierbei um einen gravierenden Verstoß, weil wir nicht sicher sein können, dass die Fabrik in Übereinstimmung mit unserem Code of Conduct für Lieferanten sowie unseren ökologischen und sozialen Anforderungen arbeitet. Wir verlangen, dass jede Produktionsstätte auditiert ist und die Anforderungen unseres Code of Conduct für Lieferanten erfüllt werden, bevor Aufträge platziert werden.

 

Herausforderungen

Das Aufdecken verdeckter Produktion erfordert eine permanente Wachsamkeit aufgrund der hohen Komplexität unserer globalen Lieferkette. Dies ist einer der Gründe, warum wir jedes Jahr eine Liste der Fabriken unserer Tier-1- und Tier-2-Lieferanten veröffentlichen. Indem wir die Orte, an denen unsere Produkte hergestellt werden, transparent darstellen, kommen wir unserer Rechenschaftspflicht nach, wenn verdeckte Produktion zum Einsatz kommt.

 

2018 deckten wir 26 Fälle von verdeckter Produktion in unserer Lieferkette auf, wobei es sich bei einem dieser Vorfälle um verdeckte Heimarbeit handelte. Wir betrachten diese Vorfälle als schwerwiegende Verstöße. So führten sechs von ihnen dazu, dass C&A seine Geschäftsbeziehung mit dem betreffenden Lieferanten aussetzte. In allen Fällen folgte eine umfassende Untersuchung. Außerdem wurden mit unseren Lieferanten und internen Teams Corrective Action Plans aufgesetzt.

Erfahren Sie mehr über unsere Bewertung von Lieferanten und unsere Verpflichtung zu Transparenz

Hier finden Sie unsere Lieferantenaufstellung

 

Das ist unsere Antwort

Klare Erklärungen und ernsthafte Konsequenzen

Wenn eine verdeckte Produktion identifiziert wird, bewerten die Sustainable Supply Chain (SSC), Einkaufs- und Qualitäts-Teams die Situation und die Produktionsstätte. Weil die Umstände hinter den Fällen manchmal komplex sind, bewerten die Teams die Situation und die Absichten sehr sorgfältig und verwenden einen systematischen Prozess, um die Konsequenzen festzulegen.


Drei-Stufen-Verfahren

2016 führten wir ein Drei-Stufen-Verfahren ein, um das Risiko von verdeckten Produktionsstätten, wie zum Beispiel Heimarbeit, zu minimieren. Wenn ein Null-Toleranz-Problem bei der Inspektion gefunden wird, kann die Beziehung zu einem Lieferanten für zwölf Monate ausgesetzt oder beendet werden, je nach Ergebnis der Untersuchungen. Wenn eine verdeckte Produktion offengelegt wurde und die Fabrik die anderen Vorgaben unseres Code of Conduct für Lieferanten sowie unsere Qualitätsstandards erfüllt, erhält der Lieferant beim ersten Mal eine Abmahnung. Nach der dritten Abmahnung folgt eine zwölfmonatige Aussetzung bzw. die Beendigung der Geschäftsbeziehungen. In allen Fällen wird die Beziehung zu einem Lieferanten für zwölf Monate ausgesetzt, wenn ein Null-Toleranz-Fund an der verdeckten Produktionsstätte festgestellt wird.

Um die Verantwortlichkeit und das Verständnis für unsere Anforderungen im Zusammenhang mit verdeckten Unteraufträgen zu fördern, haben wir unsere gesamte Zuliefererbasis informiert und interagieren während unseres Prüfungsprozesses regelmäßig zu diesem Thema.