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Dieser Nachhaltigkeitsbericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Bekleidungsindustrie mehr denn je im Scheinwerferlicht steht. Je mehr wir die negativen Auswirkungen der Bekleidungsindustrie auf Mensch und Umwelt verstehen, desto mehr zeigt der Pulse of the Fashion Industry, das Jahresbarometer wie gut die Industrie mit den Herausforderungen umgeht, dass die Modebranche zwar ihre Performance im Bereich Umwelt und Soziales im Jahr 2018 verbessert hat, sich jedoch das Tempo der Performance im Vergleich zu den letzten Jahren verlangsamt hat. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Branche Veränderungen schneller umsetzen muss, um die United Nations Sustainable Development Goals zu erreichen. Auch werden die Ziele der Pariser Klimakonferenz sonst nicht erreicht werden. Jetzt, wo die Welt sozusagen aufwacht, und die Wirklichkeit und Dringlichkeit des Klimanotstands erkennt, wird die Bedeutung dieser Ziele weiter hervorgehoben.

Die Performance von C&A steuert auf jeden Fall in die richtige Richtung, wobei gute Fortschritte bei der Erreichung aller Umwelt- und Sozialziele gemacht wurden. Zu den Highlights gehören die Veröffentlichung der Tier-1- und Tier-2-Lieferanten aller Fabriken weltweit, die Tatsache, dass 71 % der beschafften Baumwolle aus zertifiziert nachhaltiger Biobaumwolle oder Better Cotton besteht, und herausragende Erfolge als erster Einzelhändler in Europa, Brasilien und Mexiko Jeans mit Cradle to Cradle Certified TM Gold-Zertifizierung einführt zu haben.

 

Dieser Bericht zeigt auch, dass C&A seinen enormen Einfluss auf die 3,5 Millionen Menschen, die es täglich auf der ganzen Welt bedient, wirklich versteht. Neben der weitreichenden #WearTheChange-Kampagne, die nun in allen C&A-Retailmärkten durchgeführt wird, hat das Unternehmen sein Textilsammelprogramm für aussortierte Kleidung in den Filialen auf neue Regionen ausgeweitet, in denen Kunden in acht C&A-Ländern ihre nicht mehr benötigte Kleidung in C&A-Filialen abgeben können und Kunden im neunten Land an einem Online-Rücknahmeprogramm teilnehmen können.

 

C&A macht alles richtig, was Nachhaltigkeit angeht und das Unternehmen kann stolz auf seine Erfolge sein, was das Unternehmen in eine starke Führungsposition brachte.

 

Die Herausforderung ist jedoch, dass das, was „das Richtige Tun“ ausmacht sich konstant verändert und dass die Messlatte für die Nachhaltigkeitsführung konstant heraufgesetzt wird.

 

C&A hat ausgezeichnete Aussichten, diese Herausforderung zu bestehen. Die Pläne, wissenschaftlich fundierte Ziele für Treibhausgasemissionen einzuführen, können nicht schnell genug eingeführt werden und ich freue mich, dass diese an vorderster Stelle der neuen globalen Nachhaltigkeitsstrategie, deren Veröffentlichung für 2020 geplant ist, stehen werden. Ich würde es begrüßen, wenn die neue Nachhaltigkeitsstrategie fest in der Geschäftsstrategie verankert wäre. Außerdem würde ich gerne schwarz auf weiß sehen, dass das Executive Board des Unternehmens Nachhaltigkeit mit dem gleichen Fokus angeht wie die Standardkennzahlen für den Geschäftserfolg.

 

Ich stelle diese Herausforderung in den Raum, weil ich überzeugt davon bin, dass der nächste große Führungstrend der globalen Bekleidungsindustrie die Entstehung wahrhaft nachhaltiger Geschäftsmodelle sein wird. Geschäftsmodelle, die über die aktuellen linearen und teilweise fehlerhaften binären Messgrößen für den wirtschaftlichen Erfolg hinaus Wert liefern. Solange die Unternehmen der Bekleidungsindustrie keine nachweisbare Wertschöpfung aus den höchsten Standards sozialer und ökologischer Leistung erbringen, bleibt die bedeutendste systemische Barriere, die derzeit einer nachhaltigen Mode im Weg steht. Die gegenwärtige Marktwirtschaft.

 

Mit seiner familengeführten Struktur, seinem 178-jährigen Erbe, seinen tiefen Werten und der C&A Foundation, die ihre Ziele auf eine ganze Reihe systemischer Herausforderungen der Industrie richtet, ist C&A in der einmaligen Lage, ein zirkuläres, nachhaltiges Geschäftsmodell zu schaffen und umzusetzen. Auch gibt es viele Kooperationsprojekte innerhalb der Industrie, bei denen C&A eine Führungsrolle innehat. Wie könnte das Unternehmen diese Kooperationen noch stärker vorantreiben, um die Voraussetzungen für die Transformation des Geschäftsmodells zu schaffen?

 

Aufgrund thematischer Zusammenhänge könnte die im Pulse Report hervorgehobene Verlangsamung der Nachhaltigkeitsentwicklung letztendlich auch die Leistung von C&A verlangsamen. Kein Unternehmen steht für sich alleine und daher ist es einfach nicht möglich, sich ein nachhaltiges Unternehmen in einem nicht-nachhaltigen System vorzustellen - und als solches würde ich das momentane Bekleidungssystem beschreiben.

 

Da C&A bereits an seiner nächsten globalen Strategie arbeitet, lade ich das Unternehmen ein, seinen Ehrgeiz noch zusätzlich anzukurbeln und den nächsten großen Führungstrend zu gestalten Auf diese Weise wird das Unternehmen seinen Teil dazu beigetragen haben, dass die Branche erfolgreich von der aktuellen Entwicklung zu einer Entwicklung, in der die SDGs erfüllt werden und die globale Bekleidungsindustrie kreisförmig, regenerativ und wirklich nachhaltig ist.

Sally Uren
CEO, Forum for the Future